Tourette Camp 2022 auf der Freusburg

Ich habe sehr sehr lange nach einem Verein gesucht, wo mein Sohn und ich sozusagen „angekommen“ sind. Mein Sohn Marek hat schon seit Kleinkindalter eine Tic-Störung und dann kamen auch Laute dazu. Mittlerweile ist er 11 Jahre alt. Als ich erfahren habe, dass ein Tourette-Camp gemacht wird, dachte ich zuerst: Jippiieee mega tolle Sache, dann sieht mein Sohn endlich, dass er nicht alleine damit ist. 

Nach einer langen Fahrt sind wir an der Freusburg angekommen, wo das Camp stattfand. Dort angekommen, musste man durch einen Torbogen gehen. Ich war schon sehr aufgeregt und auch angespannt, was jetzt kommen wird. Aber als ich dort mit meinem Sohn und meiner Mutter durchgelaufen bin, fühlte ich mich soooo wahnsinnig wohl, das kann ich nicht beschreiben. Ich fühlte mich aufgehoben, angekommen, integriert. Ich hatte zu keiner Minute das Gefühl „Fremd“ zu sein, obwohl wir das aller erste Mal dabei waren und alle mega tollen Menschen dort zum ersten Mal sahen.

Ich kann dieses Gefühl wirklich nicht beschreiben. Es ist und war einfach unbeschreiblich. Und ich bin wirklich nicht der Mensch, der gleich auf andere zugeht, da wir bisher eher mit Ablehnung zu kämpfen hatten.

Es war so ein wunderschönes Wochenende, man hat so wahnsinnig viele Erfahrungen mitgenommen, auch als Angehöriger eines Betroffenen. Es hat so gut getan. Es ist wie eine riesengroße Familie und jeder war einfach nur so, wie er ist. Und das ist dass, was mich sehr glücklich gemacht hat - zu sehen, dass jeder so sein durfte / sollte wie er ist. Und vor allem, so akzeptiert und Toleriert wurde!!!

Am letzten Tag vom Camp, fragte ich meinen Sohn wie es für ihn war. Seine Worte: „Die sind ja fast alle so wie ich. Gehen wir zum nächsten Camp auch?“

Als ich das hörte, sprang mein Herz vor Freude, da er zu diesem Zeitpunkt eine sehr schwere Zeit hatte. Ich sagte „Ja mein Kind, wir fahren ab jetzt immer zum Camp“. Er sagte, darauf: „Das will ich aber auch hoffen“.

Ich danke allen die da waren, dem Orga-Team und einfach allen, die daran beteiligt waren, dass es so unfassbar toll war.

Liebe Grüße von Nadine und Marek

 


 

  

Unsere Erfahrungen vom Tourette-Camp 2022 auf der Freusburg

 

Wir waren in diesem Sommer zum ersten mal dabei, als das Tourette-Camp auf der Freusburg seine Pforten öffnete.

Da sich meine 12-jährige Tochter Neele anfangs immer eher schwer tut neue Kontakte zu knüpfen, hatte ich zunächst Bedenken, dass sie sich eventuell nicht wohl fühlen würde. Diese haben sich aber bereits in den ersten Minuten nach der Ankunft in Luft aufgelöst, denn wir wurden so herzlich begrüßt und aufgenommen, dass man einfach nicht anders konnte, als sich wohl zu fühlen.

Für Neele war es einfach befreiend, sie selbst sein zu dürfen, verstanden zu werden, zu sehen, dass es auch noch andere "Touretter" gibt- auch in ihrem Alter. Im Camp musste sie ihre Tics nicht unterdrücken und es wurden schnell Freundschaften geschlossen und Handynummern ausgetauscht um auch nach dem Camp in Kontakt bleiben zu können.

Aber nicht nur für Neele war das Camp-Wochenende ein voller Erfolg, auch mir als Mutter einer Betroffenen hat es unmengen neue Kraft gegeben. Der Austausch- für mich besonders auch mit anderen Eltern- hat mir sehr geholfen. Man konnte sich gegenseitig stützen, Tipps austauschen einfach mal Luft machen- oder gemeinsam über irgendetwas mal richtig herzlich lachen!

Generell war die Gruppendynamik gigantisch! Alle nett und offen, liebevoller Umgang miteinander, oft auch mit Augenzwinkern und viel Lachen verbunden! Zusätzlich sorgten die Workshops für gute Laune und ließen keinen Raum für Langeweile. Ich habe mich erst vor Ort entschieden am LineDance teilzunehmen und bin wirklich froh über diese Entscheidung.

Am Samstag Abend wurden dann die Ergebnisse der verschiedenen Workshops präsentiert und sorgten nach dem Ritteressen für ein buntes Abendprogramm. Auch dieses hat uns beiden sehr gut gefallen.

Es war ein für uns durch und durch gelungenes Camp und wir sind wirklich froh und dankbar, dass wir dabei sein konnten und sind glücklich über jeden Einzelnen, den wir dort kennen lernen durften!

Susen Wengert hatte mir im Vorfeld gesagt, das Camp sei "für Neele besser als eine Therapie"!

Das kann ich bestätigen! Aber nicht nur für meine Tochter, auch für mich war es eine unglaublich Kraft schenkende Erfahrung!

Wir freuen uns jetzt schon sehr auf das nächste Camp!

Vielen Dank an die Organisatoren und alle Mitcamper für diese tolle Zeit.

 

Anne Scherhaufer

 


 

So völlig normal!

Tourette-Camp, Heimat Planet, völliges loslassen, pure Normalität.

Mein Mann, unser Sohn und ich sind bereits vom ersten Camp 2015 im wunderschönen Wetzlar dabei. Wir sind jedes Jahr erneut fasziniert von den Emotionen und das Gefühl der völligen Normalität die uns dort begegnet.

Bereits Wochen vorher steigt die Vorfreude, ein inneres Glücksgefühl, auch wenn der Tic-Pegel bereits da vor lauter Freude etwas in die Höhe schießt, so überwiegen doch die Gefühle all die Menschen, eine zusammen wachsende große Familie, wiedersehen zu dürfen.

Bei der Ankunft freitags nachmittags fühlen wir uns direkt quasi eingefangen von Emotionen die spürbar wohlig sind. Dieses Gefühl sich angekommen zu fühlen, zu Hause zu sein, angenommen zu werden, egal was man hat.

Freitagnachmittags ab 15 Uhr kommen die ersten Teilnehmer. Stellenweise höre ich schon beim Herankommen an den Tics, wer da gerade kommt. Dabei muss ich natürlich lachen. Es wird sich umarmt und zusammen geweint vor lauter Freude. Neu ankommende Teilnehmer sind stellenweise in den ersten Stunden ruhiger, trauen sich noch nicht so ganz. Doch das gibt sich ganz schnell, denn ein jeder geht dort auf den anderen zu, völlig unbefangen.

Aus diesem anfangs beginnenden wohligem Gefühl, in einer Welle, in einer Woge von Wohligkeit, vertrauen, und erstaunlicherweise völlige Normalität.

Kinder, deren Eltern gerade noch geschildert haben, mein Kind hat Tourette, Zwänge, Autismus, Angststörung rennen an dir völlig unbefangen vorbei. Es spielt keine Rolle ob du eine Erkrankung hast oder keine. Normalität!

Die Woge, die Welle, in der im am Freitag eintauchen darf, und die mich glückselig gefangen hält, ist so normal. An mir rennen Kinder vorbei, die keine Zeit haben, lachend, jauchzend, unbefangen von einem Workshop zum anderen. Rennen, miteinander spielend, ohne dass irgendetwas eine Rolle spielt. Da gibt es kein Tourette mehr, keine zusätzlichen Erkrankungen, da ist nur noch der Mensch.

 

Ich selbst bin Tourette-Betroffene, habe Zwänge, dissoziative Ticstörung und noch einige Baustellen mehr. Mit weit über 40 Jahren bin ich erst zum Arzt gegangen um für mich selbst diese Diagnose ganz offiziell zu machen. Auch mein Sohn ist unter anderem Tourette-Betroffen, hat Zwänge und Autismus und so weiter. Doch sind wie immer aufgestanden mit unseren Namen und nicht mit unseren Diagnosen. In einer Kindheit wurde nicht erkannt, was ich habe. Da wurde gesagt, was machst du da, was redest du da, halt doch mal die Klappe, warum ziehst du schon wieder solche Fratzen, und so weiter. Schuld trifft niemanden. Meine Eltern konnten nicht wissen, dass es sich bei mir um das Tourette-Syndrom und Zwänge handelt. Ich habe mich durchgebissen durchgekämpft. Habe mich versteckt in meinem Zimmer, habe nach außen hin eine Hülle gezeigt eine Maske getragen, habe innerlich getickt, getobt, begonnen starke Zwänge zu entwickeln.

Seitdem ich diese wunderbare Familie, komme unsere Heimatplaneten kennenlernen durfte, fühlte ich mich innerlich und äußerlich frei, selbstbewusster, mich selber abnehmender, völlig normal.

Das Erlebnis der Camps, dieses unsagbar schöne Gefühl die Emotionen spüren zu dürfen, Unbefangenheit, Stärke gewinnen zu dürfen macht mich dankbar, glücklich und ich fühle mich so völlig normal.

Corinna S.


 

Tourette-Camp

2015 habe ich am ersten Tourette-Camp in Wetzlar und 2018 am vierten Tourette-Camp auf der Freusburg teilgenommen. Nun bin ich Gott sei Dank in der Situation, dass ich mehr „gute Ratschläge geben kann“, als dass ich sie selbst noch suche. Ich habe bei meinen Besuchen gemerkt, dass es mir (wie vermutlich den anderen „Tourettern“ auch) einfach gut tut, sich unter „Seines- oder Ihresgleichen“ zu bewegen.

Seien wir doch mal ganz ehrlich! Unsere Kollegen auf der Arbeit oder auch viele Personen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis bringen uns („den Betroffenen“) sicherlich durchaus viel Verständnis und Toleranz entgegen ! Das ist auch großartig und das will ich auch nicht klein reden!

Aber zwischen Akzeptanz und wirklichem „blinden Verständnis füreinander“ herrscht doch noch eine große Kluft! Für mich waren diese beiden Besuche beim Tourette-Camp daher auch regelrechte „Befreiungsschläge“! Es war wie eine große und unausgesprochene Solidarität und wie ein Familientreffen! Jede / Jeder hat Jede / Jeden verstanden, ohne sich erklären zu müssen! Wir wussten, was uns „vereint“ (so komisch das vielleicht klingen mag) und (hoffentlich) die Meisten sind auch mit dem Gefühl des „ich-bin-ja-nicht-alleine“ wieder nach Hause gefahren!

Ich denke, dass dieses Grundgefühl und diese unausgesprochene Solidarität (neben der tollen Umgebung und dem interessanten Programm) den Erfolg und den Charme dieser Veranstaltung ausmacht! Ich werde im Jahr 2019 auf jeeeeden Fall wieder dabei sein! Bis dahin erst einmal ein „Riesen-Dankeschön!“ an die Organisatoren und Verantwortlichen von „LifeTiccer e.V.“!!!!

Lutz F.


 

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