(Un)eingeschränkt glücklich

FREIZEITFUSSBALL: +++ Turnier für Menschen mit Tourette-Syndrom und ihre Freunde voller Erfolg +++ Tore nur Nebensache +++ Kobold-Gag bei Preisverleihung +++

Wer neulich die Soccerhalle in Linden betreten hat, war sicherlich sehr erstaunt, was dort zu sehen war: Ein nicht alltägliches Turnier fand dort statt. Der Verein Life Ticcer. e.V. veranstaltete ein Fußball-Turnier für Tourette-Kranke und ihre Freunde und Familien. Diese bildeten auch gleich drei der acht angetretenen Teams.  

Dazu kamen ein Team der Martin-Buber-Schule in Gießen sowie ein Team des RSV Büblingshausen, das in der inklusiven Liga des Hessischen Behinderten-und Rehabilitationssportbundes unterwegs ist. In beiden Teams befanden sich intellektuell eingeschränkte Spielerinnen und Spieler. Auch zwei Teams des Gießener Hobbyteams Gießen Skyliners waren im Teilnehmerfeld zu finden.

Als achtes Team war der FSV Rot West dabei. Die Mannschaft aus dem Gießener Westen, die seit kurzem als eingetragener Verein agiert, veranstaltet einmal pro Woche ein Training für Kinder. Diese Kinder waren es auch, die hier für die meiste Stimmung sorgten. Während ihrer Spiele ertönte immer wieder ein lautes„Rot West“ als Wechselruf aus den Kehlen der Kinder. Teamchef Benjamin Glitsch, der an diesem Tag auch als Schiedsrichter aktiv war, resümierte: „Für unsere Kids war das ein absolutes Highlight. Denen hat das enorm Spaß gemacht. War ein tolles Turnier, wir hatten alle ein tollen Tag.“

Zum Thema Schiedsrichter ist zu sagen, dass er und seine Schiedsrichterkollegin Sabine Mandler (Gießen Skyliners/SG Kinzenbach) einen ruhigen Turniertag hatten - ohne größere Vorkommnisse. Um Ergebnisse und Turniersiege ging es nicht an diesem Tag. Der Spaß stand im Vordergrund, und dass dieses Ziel erreicht wurde, war allen Beteiligten anzusehen. Das einzige Team, das weder Beeinträchtigte noch Kinder dabei hatte, die Gießen Skyliners, gingen zwar als Sieger hervor, doch auch ihnen war der Spaß in den lockeren Spielen gegen die zum Großteil körperlich unterlegenen Teams deutlich anzusehen. Tore? Ausnahmsweise mal Nebensache Im Finale beispielsweise lagen die Kicker aus der Bunten Liga Gießen zur Halbzeit gegen das Team Hyperticcer, ein Team von Tourette-Kranken, das ebenfalls von außen lautstark angefeuert wurde, mit 0:3 zurück. Am Ende benötigte man ein Achtmeterschießen um sich knapp durchzusetzen.

Teamchef Christian Diebel, der auch die Turnierleitung hatte, zeigte sich stolz: „Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie stolz ich auf unser Team bin, wie gut sie auf die Kleinen der anderen Teams eingegangen sind. Sie wollten nicht siegen, sie wollten einfach nur Spaß.“

Den Höhepunkt des Turniers lieferte aber das Spiel um Platz 5. Dieses Spiel endete nach der regulären Spielzeit von 2 x 10 Minuten mit 9:7 für das Team von Rot West gegen das zweite Tourette-Team, die sogenannte Gummibärenbande.

Organisatorin Fabiene Wengert freute sich bei ihrer Abschlussrede über ein schönes Turnier und bedankte sich bei allen Teams, die diesen Tag zu einem ganz Besonderen machten.

Pokale gab es übrigens nicht zu gewinnen. Jeder Beteiligte bekam am Ende ein Multifunktionstuch als Erinnerung. Darauf zu sehen, der Schriftzug „Life Ticcer e.V.“ und das Wesen, das die eigentliche Schuld an diesem Turnier hatte: Der Kobold, der "Begleiter" im Kopf jedes Tourette-Kranken. Das Turnier spiegelte ein Bild des friedlichen Miteinanders wider. Egal ob groß oder klein, gesund oder krank, Deutscher oder Ausländer.

 

Autor: Christian Diebel, 18.10.2018

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